Alternative zu Antibiotika?


Strategien gegen Resistenzen
Alternative zu Antibiotika?
Andrey Popov/Shutterstock

Multiresistente Keime sind vor allem im Krankenhaus ein ernst zu nehmendes Problem. Viele Menschen versterben inzwischen an den nicht mehr behandelbaren Infektionen, da die Bakterien resistent gegen nahezu alle Antibiotika sind. Wie müssen also die Antibiotika der Zukunft aussehen, um effektiv und möglichst ohne Resistenzentwicklung bakterielle Infektionen behandeln zu können?

Jährlich 33.000 Todesopfer in Europa

Bakterien verfügen über spezielle Mechanismen, die es ihnen erlauben, sich an die Wirkung von Antibiotika anzupassen, wenn sie diesen immer wieder ausgesetzt sind. Da zunehmend, oft auch unnötigerweise, normale Antibiotika verschrieben werden, entwickeln immer mehr Bakterien Resistenzen gegen diese. Dies betrifft nicht nur gängige Antibiotika, sondern auch sogenannte Reserveantibiotika, welche eigentlich nur im Notfall eingesetzt werden dürfen, um eine Resistenzentwicklung zu vermeiden und ihre Wirksamkeit zu erhalten.

Laut der Europäischen Seuchenbehörde ECDC sterben allein in der EU jährlich 33.000 Menschen an den Folgen einer Infektion mit multiresistenten Keimen. In Deutschland liegt die Zahl bei 2300 Todesfällen. Dreiviertel dieser Infektionen wurden dabei in Krankenhäusern verzeichnet. In 39 Prozent der Todesfälle waren die Patienten mit Bakterien infiziert, die resistent gegen Reserveantibiotika waren. Studien zur Folge wären die Hälfte dieser Todesfälle vermeidbar, wenn Antibiotika rationaler eingesetzt und nicht zu früh abgesetzt werden würden. Vor allem das vorzeitige Abbrechen der Einnahme begünstigt Resistenzentwicklungen, da kleine Population von Bakterien überleben und somit die Chance haben, sich an die Wirkung der Antibiotika anzupassen.

Phagentherapie als Alternative?

Um künftig „schlauere“ Antibiotika herzustellen, die es den Bakterien erschweren, Resistenzen zu entwickeln, müssen die Resistenzmechanismen weiter erforscht werden. Eine Alternative im Kampf gegen multiresistente Keime sind die natürlichen Feinde der Bakterien: Bakteriophagen. Dabei handelt es sich um Viren, welche die Bakterien infizieren, sich in diesen vermehren und sie dann zum Platzen bringen. Jeder Phagentyp befällt dabei spezifische Bakterienstämme. Die Phagentherapie wird in Georgien bereits seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet. Die Wirksamkeit der Therapie wurde bereits in kleineren Studien nachgewiesen. Nebenwirkungen wurden in den Behandlungen bisher nicht verzeichnet. Ein besonderer Vorteil der Phagentherapie ist die genetische Modifizierbarkeit der Phagen. Sie lassen sich individuell an die Infektion, also die Bakterienart anpassen, wodurch es auch zu einer geringeren bis gar keiner Beschädigung der eigenen Darmflora kommt, wie es bei normalen Antibiotika der Fall ist. Allerdings macht eine Phagentherapie erst dann Sinn, wenn der genaue Erreger identifiziert ist, was wiederum mit einem größeren Diagnose- und Kostenaufwand verbunden ist.

Quelle: Ärzteblatt, DAZ

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