Stoffwechsel
Erkrankungen des Stoffwechsels der Fette, Eiweiße, Salze und Mikronährstoffe
Bausteine, Brennstoffe und Spurenelemente
Mit der Nahrung nehmen wir neben Kohlenhydraten vor allem Fette und Eiweiße auf, außerdem Mineralstoffe wie Natrium, Kalium oder Calcium sowie Mikronährstoffe – Vitamine und Spurenelemente, von denen der Körper nur winzige Mengen braucht, auf die er aber nicht verzichten kann. Fette dienen als Energiespeicher und als Baumaterial für Zellwände und Hormone, Eiweiße liefern die Bausteine für Muskeln, Enzyme und Abwehrstoffe, Salze regeln den Wasserhaushalt und die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Damit all das funktioniert, müssen Aufnahme, Transport, Verwertung, Speicherung und Ausscheidung genau aufeinander abgestimmt sein.
Gerät dieses Gleichgewicht durcheinander, sprechen Ärzte von einer Stoffwechselstörung. Manche dieser Störungen sind angeboren, etwa die familiäre Hypercholesterinämie oder die Eisenspeicherkrankheit. Viele entstehen aber erst im Laufe des Lebens – durch Ernährung und Lebensstil, durch andere Erkrankungen, zum Beispiel der Nieren, des Darms oder der Leber, oder als Nebenwirkung von Medikamenten. Typisch ist, dass sie lange keine Beschwerden verursachen und erst bei einer Blutuntersuchung auffallen.
Fettstoffwechsel: Blutfette im Gleichgewicht
Fette sind nicht wasserlöslich. Damit Cholesterin und Triglyzeride im Blut transportiert werden können, verpackt der Körper sie in Eiweißhüllen, die Lipoproteine. Das LDL-Cholesterin bringt Cholesterin von der Leber in die Gewebe; ist zu viel davon im Blut, lagert es sich in den Gefäßwänden ab und fördert die Arteriosklerose. Das HDL-Cholesterin transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber und gilt daher als „gutes“ Cholesterin. Erhöhte LDL-Werte gehören zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Wie niedrig der LDL-Wert sein sollte, hängt vom persönlichen Gesamtrisiko ab: Wer bereits einen Herzinfarkt hatte, hat einen deutlich niedrigeren Zielwert als ein gesunder Mensch ohne weitere Risikofaktoren.
Etwa einer von 250 bis 300 Menschen hat eine erbliche familiäre Hypercholesterinämie, bei der das LDL-Cholesterin schon im Kindesalter stark erhöht ist. Hinweise sind Herzinfarkte bei nahen Verwandten in jungen Jahren oder gelbliche Cholesterinablagerungen an Sehnen und Augenlidern. Ebenfalls weitgehend erblich bestimmt ist das Lipoprotein(a), das nach heutigen Empfehlungen mindestens einmal im Leben bestimmt werden sollte. Sehr hohe Triglyzeridwerte können zudem eine akute Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen. Neben ausgewogener Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme und dem Verzicht auf das Rauchen stehen wirksame Medikamente zur Verfügung, allen voran die Statine. Ausführlich informiert der Beitrag Fettstoffwechselstörungen.
Eiweißstoffwechsel: wenn Bausteine nicht richtig verarbeitet werden
Eiweiße (Proteine) werden im Darm in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zerlegt und im Körper zu neuen Eiweißen zusammengesetzt. Fehlt durch einen angeborenen Enzymdefekt ein Glied in dieser Kette, reichern sich bestimmte Stoffe an und schädigen die Organe. Das bekannteste Beispiel ist die Phenylketonurie, bei der die Aminosäure Phenylalanin nicht abgebaut werden kann. Weil eine früh begonnene, eiweißarme Spezialdiät die geistige Entwicklung schützt, wird in Deutschland jedes Neugeborene in den ersten Lebenstagen mit einigen Tropfen Blut aus der Ferse auf diese und weitere angeborene Stoffwechselstörungen untersucht (Neugeborenen-Screening).
Eng mit eiweißreicher Kost verbunden ist die Harnsäure. Sie entsteht beim Abbau der Purine – Bausteinen des Erbguts, die in Fleisch, Innereien, manchen Fischen und Meeresfrüchten reichlich enthalten sind. Ist der Harnsäurespiegel dauerhaft erhöht, können sich Kristalle in den Gelenken ablagern und schmerzhafte Gichtanfälle auslösen (siehe Hyperurikämie und Gicht). Bei der seltenen Amyloidose lagern sich fehlgefaltete Eiweiße in Organen wie Herz, Nieren oder Nerven ab. Im Alltag weit häufiger ist ein schlichter Eiweißmangel: Ältere Menschen, die wenig essen, verlieren dadurch Muskelkraft, stürzen leichter und erholen sich schlechter von Krankheiten. Eine ausreichende Eiweißzufuhr, etwa über Milchprodukte, Eier, Hülsenfrüchte oder Fisch, ist im Alter deshalb besonders wichtig.
Salze und Elektrolyte: Natrium und Kalium
Die im Blut gelösten Salze, die Elektrolyte, steuern die Verteilung des Wassers im Körper und die elektrische Erregbarkeit von Nerven, Muskeln und Herz. Ihre Konzentration wird von den Nieren und von Hormonen sehr genau geregelt. Eine zu niedrige Natriumkonzentration im Blut (Hyponatriämie) ist die häufigste Elektrolytstörung überhaupt, besonders bei älteren Menschen. Auslöser sind oft entwässernde Medikamente (Diuretika), bestimmte Antidepressiva, Herz-, Leber- oder Nierenerkrankungen, starkes Erbrechen oder Durchfall, seltener auch das Trinken übergroßer Wassermengen. Die Beschwerden sind unspezifisch: Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gangunsicherheit und Verwirrtheit. Leichte Formen fallen häufig nur zufällig auf, erhöhen aber das Sturzrisiko. Eine schwere Hyponatriämie muss im Krankenhaus behandelt und darf nur langsam ausgeglichen werden.
Kalium ist vor allem für die Muskeln und den Herzrhythmus wichtig. Zu wenig Kalium (Hypokaliämie) entsteht häufig durch Diuretika, Abführmittel oder Durchfall und äußert sich in Muskelschwäche, Verstopfung und Herzrhythmusstörungen. Zu viel Kalium (Hyperkaliämie) tritt vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion auf, verstärkt durch Medikamente wie ACE-Hemmer, Sartane oder kaliumsparende Diuretika. Sie verursacht oft lange keine Beschwerden, kann aber gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Wer solche Medikamente einnimmt, sollte deshalb nicht eigenmächtig Kaliumpräparate oder kaliumhaltige Diätsalze verwenden.
Calcium und Magnesium
Calcium ist nicht nur Baustoff für Knochen und Zähne, sondern auch an der Muskelarbeit, der Blutgerinnung und der Reizweiterleitung beteiligt. Den Calciumspiegel im Blut regeln das Parathormon der Nebenschilddrüsen und Vitamin D. Ein erhöhter Calciumspiegel (Hyperkalzämie) geht meist auf eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen oder auf Tumorerkrankungen zurück, seltener auf eine Überdosierung von Vitamin D. Er macht sich durch Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Verstopfung und Nierensteine bemerkbar. Zu wenig Calcium im Blut führt dagegen zu Kribbeln um den Mund und an den Fingern sowie zu Muskelkrämpfen – etwa wenn bei einer Schilddrüsenoperation die Nebenschilddrüsen in Mitleidenschaft gezogen wurden oder bei einem ausgeprägten Vitamin-D-Mangel.
Magnesium ist an Hunderten von Enzymreaktionen beteiligt. Ein Mangel entsteht selten durch die Ernährung allein, häufiger durch Alkohol, Durchfälle, Diuretika oder die langjährige Einnahme von Magensäureblockern (Protonenpumpenhemmern). Typisch sind Wadenkrämpfe, Muskelzucken und Herzrhythmusstörungen – allerdings ist nicht jeder nächtliche Wadenkrampf ein Zeichen von Magnesiummangel. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich Magnesium im Körper anreichern; auch hier gilt deshalb: Präparate nur nach Rücksprache einnehmen.
Eisen: Mangel und Überladung
Eisenmangel ist weltweit der häufigste Nährstoffmangel. Besonders betroffen sind Frauen mit starken Monatsblutungen, Schwangere, Kinder im Wachstum sowie Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, ohne auf eisenreiche pflanzliche Lebensmittel zu achten. Zunächst leeren sich die Eisenspeicher, später entsteht eine Blutarmut (Anämie) mit Müdigkeit, Blässe, Kurzatmigkeit bei Belastung, brüchigen Nägeln, Haarausfall und eingerissenen Mundwinkeln. Bei Männern und bei Frauen nach den Wechseljahren muss ein Eisenmangel immer abgeklärt werden, weil er auf einen unbemerkten Blutverlust, zum Beispiel aus dem Magen-Darm-Trakt, hinweisen kann. Aussagekräftig ist das Speichereiweiß Ferritin im Blut; bei Entzündungen kann es allerdings trotz Mangel normal erscheinen.
Eisentabletten werden am besten auf nüchternen Magen eingenommen. Vitamin C verbessert die Aufnahme, Kaffee, schwarzer Tee, Milch und Calcium vermindern sie. Zu Schilddrüsenhormonen und zu manchen Antibiotika, etwa Tetrazyklinen oder Gyrasehemmern, ist ein zeitlicher Abstand von mehreren Stunden nötig. Das Gegenteil, eine Eisenüberladung, droht bei der Hämochromatose, einer der häufigsten Erbkrankheiten in Nordeuropa. Der Darm nimmt dabei über Jahrzehnte zu viel Eisen auf, das sich in Leber, Bauchspeicheldrüse, Herz und Gelenken ablagert. Erste Zeichen sind oft Müdigkeit und Gelenkschmerzen, später drohen Leberzirrhose und Diabetes. Behandelt wird mit regelmäßigen Aderlässen. Ein ähnliches Speicherproblem betrifft das Kupfer – mehr dazu im Beitrag Morbus Wilson.
Vitamin B12 und Folsäure
Vitamin B12 ist für die Blutbildung und für die Funktion der Nerven unverzichtbar. Es kommt praktisch nur in tierischen Lebensmitteln vor, weshalb Menschen, die sich vegan ernähren, es ergänzen müssen. Ein Mangel entsteht aber auch, wenn die Aufnahme im Magen-Darm-Trakt gestört ist: bei älteren Menschen mit chronischer Magenschleimhautentzündung, bei der perniziösen Anämie, bei der der Körper Antikörper gegen einen für die Aufnahme nötigen Eiweißstoff bildet, nach Magen- oder Darmoperationen sowie bei langjähriger Einnahme von Metformin oder Magensäureblockern. Weil die Leber große Vorräte anlegt, zeigen sich Beschwerden oft erst nach Jahren: Blutarmut, Müdigkeit, Zungenbrennen, Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen, Gangunsicherheit, Gedächtnisstörungen oder depressive Verstimmungen. Bleibt der Mangel lange unbehandelt, können die Nervenschäden dauerhaft sein.
Folsäure wird ebenfalls für die Blutbildung und für die Zellteilung gebraucht. Frauen, die schwanger werden möchten, wird empfohlen, zusätzlich zur Ernährung täglich 400 Mikrogramm Folsäure einzunehmen – mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels. Das senkt das Risiko für Fehlbildungen von Rückenmark und Wirbelsäule beim Kind (Neuralrohrdefekte) deutlich.
Vitamin D und Jod
Vitamin D bildet der Körper überwiegend selbst, wenn die Haut der UV-B-Strahlung der Sonne ausgesetzt ist. In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung zwischen Oktober und März dafür kaum aus; dann zehrt der Körper von den im Sommer angelegten Speichern. Ein Mangel droht vor allem älteren und pflegebedürftigen Menschen, die selten nach draußen kommen, Menschen mit dunkler Hautfarbe oder mit Kleidung, die den Körper weitgehend bedeckt, sowie bei bestimmten Darm-, Leber- oder Nierenerkrankungen. Ein ausgeprägter Mangel führt zur Knochenerweichung – bei Kindern zur Rachitis, bei Erwachsenen zur Osteomalazie – und begünstigt Osteoporose. Säuglinge erhalten deshalb routinemäßig Vitamin D. Hochdosierte Präparate sollten Erwachsene dagegen nicht auf eigene Faust einnehmen: Eine Überdosierung erhöht den Calciumspiegel und kann Nieren und Herz schädigen.
Jod braucht die Schilddrüse, um ihre Hormone zu bilden. Dank jodiertem Speisesalz gilt Deutschland nicht mehr als ausgeprägtes Jodmangelgebiet, die Versorgung ist aber vielerorts nur knapp ausreichend. Ein langjähriger Mangel kann zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führen (Kropf). Empfohlen wird, im Haushalt Jodsalz zu verwenden und regelmäßig Seefisch und Milchprodukte zu essen. Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Bedarf; ihnen wird meist eine zusätzliche Jodtablette empfohlen – bei bekannten Schilddrüsenerkrankungen allerdings nur nach Rücksprache mit dem Arzt.
Was die Blutwerte verraten
Die meisten Störungen des Fett-, Eiweiß-, Salz- und Mikronährstoffhaushalts werden mit einer Blutuntersuchung festgestellt. Häufig bestimmt werden die Blutfette (Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin, Triglyzeride), die Elektrolyte, die Nierenwerte und das Blutbild. Je nach Verdacht kommen Ferritin, Vitamin B12 bzw. Holo-Transcobalamin, Folsäure, 25-Hydroxy-Vitamin-D, Harnsäure oder Schilddrüsenwerte hinzu. Ob die Blutentnahme nüchtern erfolgen sollte, erfahren Sie in Ihrer Arztpraxis. Wichtig ist, dass Laborwerte immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten beurteilt werden – ein einzelner Wert knapp außerhalb des Normbereichs bedeutet noch keine Krankheit. Gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren können im Rahmen des Gesundheits-Check-ups alle drei Jahre unter anderem ihre Blutfette und ihren Blutzucker untersuchen lassen.
Nahrungsergänzungsmittel: sinnvoll oder überflüssig?
Wer sich abwechslungsreich ernährt, ist in Deutschland mit den meisten Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend versorgt. Ausnahmen sind die genannten Risikogruppen – zum Beispiel Folsäure bei Kinderwunsch, Jod in Schwangerschaft und Stillzeit, Vitamin B12 bei veganer Ernährung oder Vitamin D bei Menschen, die kaum ins Freie kommen. Ansonsten gilt: erst den Mangel nachweisen, dann gezielt ergänzen. Mehr ist nicht automatisch besser. Fettlösliche Vitamine wie A und D können sich im Körper anreichern, Eisen kann ohne Mangel schaden, und manche Präparate beeinflussen die Wirkung von Medikamenten – etwa Calcium, Magnesium, Eisen oder Zink die Aufnahme bestimmter Antibiotika, Osteoporosemittel und Schilddrüsenhormone, Vitamin K die Wirkung gerinnungshemmender Cumarine.
Lassen Sie sich deshalb beraten, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel dauerhaft einnehmen, und informieren Sie Ihren Arzt über alle Präparate, die Sie verwenden – auch über frei verkäufliche. Suchen Sie Ihre Hausarztpraxis auf, wenn Sie sich anhaltend müde und abgeschlagen fühlen, Muskelkrämpfe, Kribbeln oder Taubheitsgefühle bemerken oder wenn Ihnen Herzstolpern, starker Durst oder eine ungewohnte Verwirrtheit auffallen. In unserer Apotheke prüfen wir gern, ob Ihre Präparate zu Ihren Medikamenten passen, und erklären Ihnen, wie und zu welcher Tageszeit sie am besten eingenommen werden.
